INT. NEW STYLE ASSOCIATION/ EMPFANG - DAY Eine junge Frau (28), Jolanda, extravagant aber elegant gekleidet, kommt nachdenklich aus dem Fahrstuhl. Noumena (26), Empfangsdame bei New Style, fällt ihr überschwänglich um den Hals. NOUMENA: Endlich heiratet ihr! Jolanda läßt es über sich ergehen. NOUMENA: (CONT'D) Das war ja nicht mehr auszuhalten! Wenn ich mir überlege, wie viele Jahre dich André hingehalten hat. Jolanda übergeht ihre Bemerkung und lächelt dezent. NOUMENA: (CONT'D) Wie hat er dir den Antrag gemacht? Jolanda geht ihre Post durch, die auf Noumenas Schreibtisch liegt. NOUMENA: (CONT'D) Hat er dich über ein Meer von weißen Lilien getragen? Jolanda hält für einen kurzen Moment inne und sieht zu ihr. NOUMENA: (CONT'D) Ihr seid in einem Segelflugzeug über die Felder Brandenburgs geschwebt. Jolanda verdreht die Augen. NOUMENA: (CONT'D) Dann war´s ganz klassisch: Er ist vor die auf die Knie gefallen. JOLANDA: Also ich bitte dich, aus welchem Jahrhundert stammst du denn?! Noumena sieht sie erstaunt an. JOLANDA: (CONT'D) 19. Jahrhundert?! Louis Quinze? Noumena sieht sie fragend an. Jolanda läßt ihren Kommentar. NOUMENA: Ich wollte doch nur wissen... JOLANDA: Ich will wissen, ob André wieder gesund wird... Noumena kann es nicht lassen und bohrt weiter. NOUMENA: Zeig´ mir wenigstens deinen Verlobungsring? Hat er 5 oder 10 Karat!? JOLANDA: Es gibt keine 5 oder 10 Karat Brillanten. Es gab auch keinen einsamen Abend bei Kerzenschein, und zu deiner Beruhigung es gab auch keinen Ring. Noumena kreischt laut auf. NOUMENA: Das ist nicht wahr!? Jolanda lächelt kühl. JOLANDA: Wir hatten keine Zeit. Jolanda nimmt ihre Post, dreht sich um und läßt Noumena perplex stehen. INT. NEW STYLE ASSOCIATION/ DAMENTOILETTE - DAY Jolanda betritt die Toilette, macht schnell die Tür hinter sich zu und muß erst einmal tief durchatmen. Sie schließt ihre Augen. Die Post gleitet ihr aus den Händen. Als sie die Augen wieder öffnet, bemerkt sie sich zufällig im Spiegel und ist erschrocken über ihren traurigen Gesichtsausdruck. Hektisch sammelt sie die Briefe vom Boden auf. Sie schaut auf ihre Hand und spürt den leeren Ringfinger. Tränen wollen ihr hochkommen, doch die drückt sie schnell weg. Sie korrigiert unruhig ihre Haare und verlässt die Toilette. INT. NEW STYLE ASSOCIATION/ EMPFANG - DAY Jolanda kommt aus der Toilette zurück. Am Empfang steht Martin und redet mit Noumena. Er ist mit seinem Sommermantel und dem Aktenkoffer auf dem Weg zum Fahrstuhl. Jolanda bekommt deren Gespräch mit. NOUMENA: ...ich bin bei Jolanda voll ins Fettnäpfchen gerasselt. MARTIN: Wie hast du denn das wieder geschafft?! NOUMENA: Gestern Abend hat doch unser Sunnyboy endlich seine Verlobung bekannt gegeben. MARTIN: Ja, und das war ein sehr ergreifender Moment. NOUMENA: Aber er hat Jolanda nicht vorher gefragt. Sie hat nicht mal einen Verlobungsring. Martin druckst herum. MARTIN: Du mußt André verstehen, die vielen Konferenzen und Messen... NOUMENA: Das hat Jolanda auch gesagt. Aber einen Menschen, dem man liebt, überfährt man nicht so!? MARTIN: Na ja..., das ganze ist ein bißchen spontan entstanden. Noumena sieht ihn genau an. NOUMENA: Was heißt, ´n bißchen spontan? Wollte er sie nicht heiraten?! MARTIN: Nein, so darfst du das nicht sehen. NOUMENA: Ja und wie soll ich es dann sehen? Hat er es nur aus Spaß gesagt, oder habt ihr vorher gelost? Martin fühlt sich getroffen. MARTIN: Nein, natürlich nicht. Aber ich habe ihn kurz vorher erst zu diesem Schritt gebracht. Noumena lacht laut auf. NOUMENA: Das heißt unser Sunnyboy braucht nicht nur ´n Babysitter und ´ne Köchin sondern auch noch ´n Manager für sein Privatleben. Martin sieht sie streng an. NOUMENA: (CONT'D) Oder will er nur vor der Presse gut da stehen und die Vorstandswahlen gewinnen!? Und nebenbei kassiert er noch die Stimme von Jolanda. Im Hintergrund steht Jolanda und ist zu tiefst verletzt. Sie möchte sofort zu Martin gehen. Aber in diesem Moment klingelt das Telefon am Empfang, und Noumena muß weiter arbeiten. Martin ergreift erleichtert die Flucht und verschwindet im Fahrstuhl. Jolanda ist entsetzt. INT. NEW STYLE ASSOCIATION/ BAR - DAY Susi bereitet zusammen mit Antonia die Schnitten für die anstehende Pressekonferenz vor. Dabei bemerkt sie nicht, wie Jolanda ihre Jacke ablegt und sich an die Bar stellt, um schnell die Pressemappe von dem gestrigen Abend durchzusehen. SUSI: Irgendwie habe ich mir was anderes erwartet. Antonia kämpft gerade mit ein paar geräucherten Lachsscheiben, die zusammenkleben. ANTONIA: Die Arbeit im Catering ist halt so. Mal kochst du Kartoffelsuppe und mal Nasi Goreng. SUSI: Nein, das meine ich nicht. Ich habe immerhin dem Sohn des Chefs das Leben gerettet, und keiner hat mir dafür gedankt. Jolanda sieht von der Pressemappe hoch. JOLANDA: Bei New Style dürfen sie sich nie Anerkennung erwarten, sonst werden sie unglücklich. Susi bemerkt auf einmal Jolanda und sieht sie überrascht an. JOLANDA: (CONT'D) Ich bin ihnen sehr zu Dank verpflichtet. Susi ist verlegen, dass Jolanda ihr Gespräch mit Antonia mitgehört hat und weicht aus. SUSI: Ja, nein, ich meine... Ich finde es schade, dass so viele Kollegen bei New Style demotiviert sind, weil ihnen niemand für ihr Engagement dankt. JOLANDA: André würde das sofort tun. SUSI: Es ist bedauerlich, dass die Menschen hier so wenig miteinander kommunizieren. Das kann schnell zu Mißverständnissen und Fehlentscheidungen führen. JOLANDA: Das möchte ich schon lange ändern... André und ich kommunizieren nur noch über das Nötigste, das macht mich sehr unglücklich. Susi hört ihr interessiert zu. JOLANDA: (CONT'D) Die Arbeit hat unsere Liebe aufgefressen. Ich frage mich, warum wir uns überhaupt verloben? Um noch weniger miteinander reden zu müssen? Jolanda wechselt wieder in ihr Lächeln. JOLANDA: (CONT'D) Aber was wären wir nur ohne sie geworden!? SUSI: Ich hoffe, dass ich der Firma etwas helfen konnte. Aber das der alte Meyerbeer André und Robert so gegeneinander ausspielt, schadet ihr mehr, als das es nützt. JOLANDA: Das wird sich bald ändern. Wenn André gesund ist, werden sie neue Wege gehen. Susi nimmt es als Kompliment und nickt bescheiden. JOLANDA: (CONT'D) Es war nett, mit ihnen zu reden. Und wenn ich ihnen mal helfen kann... Ach ich muß jetzt ins Krankenhaus.