Auszug aus einem komödiantischen Melodrama: BERLIN ALEXANDERPLATZ / BRUNNEN BEIM KAUFHAUS A/T Eine durchschnittlich, gut aussehende Frau, LOTTE (40), sitzt an einem Brunnen am Alexanderplatz und isst eine Bratwurst. Sie sieht nicht gerade fröhlich aus, man könnte sie auch als leicht verhärtet beschreiben. Ihre Fältchen werden charmant durch die Haare kaschiert, was jeder sieht, aber trotzdem wirkt sie wie Anfang dreißig. Sie trägt eine schicke Jeans, enges Top, flache Schuhe und neben ihr steht ein altes Fahrrad, Billigmarke aus dem Großmarkt. Sie redet vor sich hin. Links von ihr amüsieren sich einige Punks und Gothics mit ihren Hunden und den obligatorischen Bierbüchsen. Rechts von ihr sitzt ein alternder Playboy, MARTIN (43), mit Einkaufstüten, der ebenso eine Bratwurst ißt. MARTIN: Reden sie immer mit sich selber? LOTTE: Lassen sie mich in Ruhe. MARTIN: Schlechten Tag gehabt!? LOTTE: Wenn sie weiter so dumm quatschen, ja. MARTIN: Sie können mich ruhig duzen. LOTTE: Aber sie können mich nicht duzen. MARTIN: Woher kommen sie? LOTTE: Paris. Martin sieht sie genau an und glaubt es ihr nicht. LOTTE: Ich arbeite für les Médecins sans frontières. Martin versteht kein Französisch. LOTTE: Das bedeutet "Ärzte ohne Grenzen“. Aber ihr Wissen scheint ja am Ende ihrer Bockwurst aufzuhören. Martin grinst. LOTTE: Beim letzten Einsatz in Afghanistan hatte ich sofort die Mündung einer Kalaschnikow vor meinen Augen. Martin sieht Lotte beeindruckt an. LOTTE: Stimmt irgendwas nicht mit ihnen!? MARTIN: Woran merken sie das?! LOTTE: Viel um die Welt gereist. MARTIN: Wissen sie, ich kenne ihren Keller und die Wiese. LOTTE: Was für einen Keller!? MARTIN: Von dem sie eben erzählt haben... Lotte sieht ihn verwirrt an und steht abrupt auf. LOTTE: Ich muß zur Arbeit.