Wandere durch den kahlen Gang des Zoologischen Gartens, graue Gesichter, dürre Körper, ausgedörrt von Drogen, sie reden miteinander, heimlich, hinter vorgehaltener Hand, vollziehen große Verhandlungen über Drogen. Die hageren Gesichter machen mir Angst, schauen mich an mit leeren, harten Augen. Seelenlose Gesichter streichen durch das dürre Gestrüpp, grauer Boden unter unseren Füßen, Staub dringt in unsere Seelen, verstopft die Lebensgänge, zerstört die Gefühlsgänge. Rote, glühende Vögel in Käfigen flattern gegen die Gitter, stürzen hinab ins Wasser. Keine Fische sind zu sehen, keine Pflanzen sind zu sehen. Glutrote Vögel stürzen durch meine Gehirngänge, zerreißen die Nerven. Blut fließt über die Straßen Sarajevos. Schlächter wandern durch unsere Häuser. Monster wandern durch unsere Straßen, verstecken sich hinter jeder Ecke, hinter jeder Hecke, die Heckenschützen von nebenan, unsere Freunde, die uns helfen, leichter uns zu vernichten. Sie schneiden unsere Kehlen durch, schneiden unsere Körper durch. Aber zuerst müssen wir euch leiden sehen, müssen eure Ängste sehen, geilen uns an euren Qualen auf, ja, erst muß ich 15 Frauen vergewaltigen, 20 Menschen töten und in dem Olympiastation alle Menschen vor euren Augen quälen. Dann kann ich gestehen, daß ich diese Taten vollbracht habe. Was wollt ihr! Wie ihr die Hühner schlachtet, so schlachte ich Menschen und rauche meine Zigarette. Die Augen starren uns an, zurückversetzt klein, nichts sagend, roh, wie das rohe Fleisch der geschlachteten Hühner. So wie ihr ins Bordel geht, so gehe ich ins nächste Dorf und schlachte Frauen, zertrampele Kinder, jage Menschen über die leeren Straßen Sarajevos. Ich schlage an, ich verkünde, an jeder Wasserstelle töte ich euch, an jedem Markt vernichte ich euch, denn ich bin der Schlachter aus den Bergen. Wir haben die Waffen, wir haben die Bomben, wir haben sie noch, wir der viert größte Waffenproduzent der Welt, ja, wir haben noch eure Waffen von 1983. Unsere Lager sind grenzenlos, um euch zu vernichten. Die Lager haben wir als erstes annektiert, um dieses Land zu säubern. Ich habe Angst vor Euch, selbst wenn ich euch nur auf der Leinwand sehe, selbst wenn ich euch nur auf dem Fernsehbildschirm sehe, habe ich Angst vor euch, und hier sitze ich nun und rede vor mich hin. Was kann ich tun, die Waffe in die Hand nehmen? Soll ich es wagen, nach Sarajevo zu fahren? Es wütet in mir, ich kann es nicht ertragen, nichts zu tun, nur hier zu sitzen und zu schweigen zu dem Faschismus in Serbien zu dem kommenden Faschismus in Italien, zu dem latenten Faschismus in Deutschland, Frankreich, Kanada. Krieg dem Faschismus, Krieg der Gewalt und der sinnlosen Menschenvernichtung, Krieg der serbischen Menschen-verachtung, Krieg dem Gemetzel in Ruanda. Wenn die Schlächter schon Menschen vernichten wollen, dann sollen sie sich selbst vernichten, selbst säubern, wegsäubern. Dann wären wir glücklicher, und es würden keine Menschen mehr durch die Straßen Sarajevos gehetzt werden, geschleift werden, sinnlos gemordet und zerstümmelt werden. Dann könnte wieder Wasser die Straßen hinabfließen, und Kinder könnten fröhlich im goldenen Sonnenlicht spielen, die Stimmen am Markt erschallen und Gesang in den Straßen erklingen. Doch wie die Schlächter dort die Macht ergreifen, so bestimmen sie auch hier das Leben in den Straßen mit ihrem aggressiven Verhalten. “Du linke Fotze, Dich werde ich vernichten, dich werde ich verbrennen!” weil du nicht das tust, was ich dir befehle, weil du nicht meinen Anweisungen folgst. Wir zermalmen euch mit unserem Opel Record, wir zerfetzen dich mit den kreischenden Stimmen unseres Körpers. Du hast dich so zu verhalten, wie wir es bestimmen, du hast, du sollst, wir wollen, wir, die vom schwarzen Wedding bestimmen die Welt.