Verdrängen, so nennen wir diesen Prozeß, diese Kraft, diese Gewalt, meine Gefühle zu zerstören. Verdrängen, heißt diese Kraft, die dieses Gefühl der tiefen Liebe zu dir fort schiebt. Diese Kraft, diese tiefe Leidenschaft, die dich begehrt. Mein ganzer Körper sehnt sich nach dir, von dir aufgesogen, durchdrungen zu werden, zu zerfließen in dieser wundervollen Leidenschaft, aufzugehen in diesen endlosen Sehnsüchten, zu wachsen, eng umschlungen nur von deinem Körper. Wie leer wirkt diese Stadt ohne dich, wie grau wird das Licht ohne dich. Die Seine fließt langweilig dahin, die Häuser werden öde, die Sterne fliegen an mir vorbei, stehen wie starre Punkte am Himmel. Leere Glühbirnen starren mich an, die mich sonst von Liebe zu dir erfüllt haben, dort in dieser Vollmondnacht, dort an dem leeren Strand nur mit dir, neben dir, wo mich der zarte Wind der Liebe umschlungen hat. Müdigkeit überfällt mich. Leere ist das einzige, was mir bleibt.

Ein geiler Opa sitzt vor mir in der Pariser Metro, stiert mich an, und ich könnte kotzen. Seine Hände sind verkrampft, wie sein Körper in der Sehnsucht verkrampft ist, erstarrt zu Stein. Meine Seele hat sich in Luft aufgelöst, mein Körper ist hohl, meine Gedanken fort, in das Nichts abgetaucht. Depressionen sind das einzige, was mir bleibt. Ich wollte keine Depressionen mehr haben, ich wollte meine Selbstmordgedanken fortwerfen, und es ist doch alles so wie immer, nur…, weil ich es nicht gewagt habe, dir meine Gefühle zu zeigen, weil ich zum tausendsten Male einfach nur Angst hatte, Angst vor meinen Gefühlen, Angst zurückgestoßen zu werden, Angst verlassen zu werden, Angst vor dieser Leere zu enden. Ich war zum tausendsten Male einfach nur feige.

Meine Liebe zu dir, diesem so schönen und zauberhaft, zärtlichen, sensuellen Mann ist sinnlos, ist wertlos, ist eine Phantasie in meinem Kopf, die kommt und mich verläßt. Es ist wie der schönste Rausch, wie die extatischste Droge, geiler wie der beste Sex, es ist Schall und Rauch, nicht einmal Staub bleibt auf dem Wege dieser Sehnsucht. Tränen flossen diesen Weg hinab, Tränen flossen an diesem rot-glühenden Tour de Belem am fernen Meer, dort, wo du mich verlassen hast, denn du bist nie gekommen. Doch, du bist gekommen, aber ich war gefangen in diesen mich verfolgenden, immer hetzenden Ängsten. Ich mußte fortrennen, zerstören, denn ich kann nur zerstören. So bleibt für mich kein Platz, denn ich gewähre mir und anderen keinen Platz. Eine Puppe, die nur im Kreise tanzen kann. Ich bin eine leere Patronenhülse, die nicht mehr schreibt, zermodert und zerfressen wie eine Leiche von vor so vielen Tagen, nutzlos wie eine leere Bierbüchse in der Straße, zerfahren von vielen Autos, vor sich hinmodernd in der Weite dieser Müllhalde, genannt Gesellschaft.